Erst stirbt die Praxis und dann der Ort…

28.06.2016

Der Ärztemangel wird uns irgendwann erreichen. Ich bin froh, dass sich der Holzmindener Allgemeinmediziner Dr. Ernst-Wilhelm Scharffetter schon seit Jahren mit dieser Frage beschäftigt und auch interessante Lösungsansätze aufzeigt“, begrüßt Hermann Grupe, Vorsitzender der Freien Demokraten im Landkreis Holzminden, die zahlreichen interessierten Gäste im Gesundheitszentrum an der Nordstraße. „Wir müssen uns nun überlegen, wie wir uns aufstellen und dem drohenden Ärztemangel entgegentreten. Ich bin glücklich, in dieser schönen ländlichen Gegend zu leben, aber ich wünsche mir für unsere Region vergleichbare Voraussetzungen, wie in städtischen Gebieten. Die ärztliche Versorgung ist dabei ein wichtiger Standortfaktor für unseren ländlichen Raum.

In seinem Referat macht Dr. Scharffetter gleich deutlich, dass die Herausforderungen an die medizinische Versorgung von Morgen schon heute Realität sind und nach einer nachhaltigen und zukunftsorientierten Lösung bedürfen. Er beschreibt, dass man weg müsse vom „Landarzt alten Stils“, denn die Lebensentwürfe der der heutigen “Generation Y“ entsprächen nicht mehr den Vorstellungen von vor 20 Jahren. „Die Mediziner von heute legen z.B. Wert auf ein „Work-Life-Balance“. Man ist nicht mehr bereit, sein Privatleben dem Arztberuf völlig unterzuordnen, wie es beim Hausarzt Jahrzehnte üblich war. Auch die Feminisierung des Arztberufes ist zu berücksichtigen und die Bürokratisierung schreckt viele ab, eine bestehende Praxis zu übernehmen oder sich selbst niederzulassen. “ Möglich wären z.B. nach finnischem oder kanadischem Vorbild kommunal betriebene “Medizinische Versorgungszentren“. Hier wäre alles unter einem Dach (Ärzte, Sanitätshaus, Apotheke, physikalische Therapie, Verwaltung Pflegedienst und Sozialdienst der Gemeinde). Die Kommune übernimmt die Organisation und der Arzt kann sich auf seine Kernkompetenz, der Patientenversorgung, konzentrieren. „Diese Modelle funktionieren in Flächenländern wie Finnland und Kanada ganz wunderbar“, weiß Dr. Scharffetter zu berichten. „Und natürlich ist da, wo es funktioniert, auch weiterhin die Freiberuflichkeit eines Arztes möglich“. Hermann Grupe ist sich am Ende der Veranstaltung sicher: „Wir dürfen nicht verpassen, uns schon jetzt mit diesem Thema zu beschäftigen, sondern müssen endlich handeln und nach neuen Lösungswegen suchen. Die Vorschläge von Dr. Scharffetter sind ein gute Anfang!"

 
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